1. August - Rütli / Grosser Aufmarsch und einige Zwischenfälle
SDA – 1. August 2003
Rütli UR. Zur Bundesfeier auf das Rütli sind am Freitagnachmittag deutlich mehr
Menschen geströmt als im Vorjahr, allerdings auch mehr Rechtsextreme. Der Anlass lief nicht ohne Peinlichkeiten ab.
Nach Angaben eines Sprechers der Urner Kantonspolizei begaben sich über 1400 Personen auf die Wiese am Vierwaldstättersee, rund doppelt so viele wie 2002. Die Polizei ordnete 450 Personen rechtsextremen Gruppen zu. Letztes Jahr waren es 300.
Grosses Polizeiaufgebot
Ein grosses Polizeiaufgebot kontrollierte die Zufahrtswege zum Rütli und führte Personenkontrollen durch. Beschlagnahmt wurden eine Fantasiefahne, ein Schlagstock sowie Feuerwerkskörper. Einen Aufmarsch linker Gruppen stellten die Sicherheitskräfte nicht fest.
Alt Nationalrätin Judith Stamm (CVP/LU) von der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft, die das Rütli verwaltet, zeigte sich erfreut über die grosse Festgemeinde. Zu den Skins sagte sie, dass viele noch jung seien und deren politische Meinung wohl noch nicht für immer gefestigt sei.
Während die grosse Menge sich auf dem Rütli ins Wiesland setzte, formierten sich die Skinheads mit rund 40 Schweizer- und Kantonsfahnen stehend im Hintergrund.
Gesang ausser Programm
Vor der offiziellen Festrede sangen die Rechtsextremen ausser Programm die alte Landeshymne "Heil Dir Helvetia". Herbert Ammann, Aktuar der Rütlikommission, versuchte den Gesang zunächst zu stoppen, liess dann aber die Skinheads gewähren.
Nationalrat Edi Engelberger (FDP/NW) sagte in seiner Rede, die Schweizer Geschichte sei geprägt von
eindeutigen Worten, klaren Entscheidungen und kompromisslosem Einsatz. Als grösste Herausforderungen von heute bezeichnete er die Wirtschaftskrise, die Zukunft der Sozialwerke und die Sicherheit der Bürger.
Den grössten Applaus von den Rechtsextremen erhielt das Obwaldner Original Alois Bucher-Durrer, der sich nach Engelberger ans Rednerpult begab und sich als Nachkomme von Niklaus von der Flüh vorstellte.
Rede ausser Programm
Bucher-Durrer bezeichnete die Skinheads als die "wahren Patrioten" und beschimpfte unter deren Applaus die Zürcher Tageszeitung "Tages-Anzeiger". Erst nach etlichen Minuten schalteten die Organisatoren das Mikrofon ab.
Wieso Bucher-Durrer überhaupt ans Mikrophon gelassen wurde, ist unklar. Weder Engelberger noch Ammann konnten sich auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda dazu schlüssig äussern.
Linke Parolen wurden auf dem Rütli entgegen von Ankündigungen in den letzten Tagen keine vernommen. Erst auf der anderen Seeseite, in Brunnen SZ, wurden die vom Rütli zurückkehrenden Neonazis von einem Grüppchen linker Antifaschisten empfangen. Danach zogen die Skinheads in einem Marsch durch Brunnen. Sie liessen die "nationale Solidartät" hochleben.