Medienberichterstattung zur 1. Augustfeier auf dem Rütli 2007
1. August / Keine Störmanöver auf dem Rütli - Reden im Zeichen der Wahlen
SDA – 1. August 2007
Bern. Die Bundesfeier auf dem Rütli UR ist ohne Zwischenfälle über die Bühne gegangen. Rechtsextreme versuchten vergeblich, aufs Rütli zu gelangen. Die zahlreichen Ansprachen im ganzen Land standen im Zeichen des Wahlkampfes.
Auf dem Rütli dankte Bundespräsidentin Micheline Calmy-Rey, die von den 2000 Gästen mit grossem Beifall empfangen wurde, allen, die gekommen seien, "die Freiheitsrechte zu verteidigen". Die Rütli-Wiese sei nicht wie andere Wiesen, sagte Calmy-Rey.
Sie symbolisiere das, was die Schweiz einige, die friedlichen und demokratischen Traditionen. Keine Minderheit habe das Recht, die Nationalfeier für sich allein zu beanspruchen, sagte Calmy-Rey. Mit Blick auf die SVP sprach sie sich zudem gegen Ausgrenzung aus.
Nationalratspräsidentin Christine Egerszegi, die zur Feier des Tages eine Aargauer Tracht trug, pries das politische System der Schweiz und rief die Schweizerinnen und Schweizer dazu auf, sich einzumischen, zu gestalten und mitzuentscheiden.
Keine grösseren Zwischenfälle
Am Ende der Bundesfeier detonierte ein Knallkörper auf der Wiese. Wer ihn gezündet hatte, war unklar. Zu grösseren Zwischenfällen kam es nicht. Rechtsextreme hatten versucht, mit Gummibooten oder auf dem Landweg aufs Rütli zu gelangen. Sie wurden von der Polizei daran gehindert.
Veranstalter und Polizei zogen eine positive Bilanz. Eine Feier auf dem Rütli werde auch nächstes Jahr
stattfinden, sagte Judith Stamm, Präsidentin der Rütlikommission.
Fernduell zwischen Blocher und Calmy-Rey
Vor der Bundesfeier auf dem Rütli hatten sich Calmy-Rey und Justizminister Christoph Blocher einen indirekten Schlagabtausch geliefert. Blocher stellte in seinen verschiedenen Reden das internationale Recht in Frage.
Dieses schmälere allzu oft die Volksrechte oder setzte sie ausser Kraft.
Calmy-Rey konterte die Kritik in ihrer Ansprache in Lenzburg AG. "Einige wollen uns weismachen, dass unsere Volksrechte durch das Völkerrecht bedroht seien", sagte die Bundespräsidentin. Dies sei Unfug.
Am Abend sprach Calmy-Rey schliesslich noch in Unterbäch VS, das 1957 als erste Schweizer Gemeinde den Frauen gegen den Willen des Bundes das Stimmrecht zuerkannt hatte.
Aufruf zu aktiver Mitgestaltung
Verteidigungsminister Samuel Schmid rief in Zuchwil SO die Bürgerinnen und Bürger zu einem weiteren Kapitel der "Erfolgsgeschichte Schweiz" auf. Erfolg sei jedoch kein Zustand, sondern ein Produkt, das erarbeitet werden müsse.
Auch Bundesrätin Doris Leuthard mahnte die Schweizerinnen und Schweizer, ihre Rechte zu nutzen. Nur aktive Bürger könnten den Staat wachsam und kritisch mitgestalten, sagte sie in Greifensee ZH. In Berlin, wo sie im Rahmen der Feier der Schweizer Botschaft sprach, lobte Leuthard die EU-Ratspräsidentschaft Deutschlands.
Plädoyer für Föderalismus
Bundesrat Hans-Rudolf Merz plädierte in seiner im Internet veröffentlichten Rede dafür, dass sich der Bund möglichst wenig in die Belange der Kantone und Gemeinden einmischen solle. Dem Föderalismus verdanke die Schweiz den "gesunden Steuerwettbewerb".
Verkehrsminister Moritz Leuenberger rief in seiner Ansprache in Palagnedra TI dazu auf, die Peripherien nicht zu vernachlässigen. Innenminister Pascal Couchepin hielt dieses Jahr keine Ansprache. Er nahm – wie Bundesrat Merz und rund 200 000 andere - an einem Bauernbrunch teil.
Gegen die "Barbaren"
Den Präsidenten der Bundesratsparteien diente der 1. August erwartungsgemäss besonders als
Wahlkampfplattform. Ueli Maurer (SVP) sprach über Sicherheit und stellte fest, das "Barbarische" sei in der Schweiz eingebrochen. Es gelte, Grenzen zu setzen und diese "den Unzivilisierten" zu kommunizieren.
Hans-Jürg Fehr (SP) plädierte für eine bessere Integration der Ausländerinnen und Ausländer, Fulvio Pelli (FDP) kritisierte die Polarisierung und Christophe Darbellay (CVP) forderte eine Bekämpfung der Jugendgewalt mittels Familienpolitik.