Ständerat Niklaus Küchler an der Bundesfeier auf dem Rütli: "Weg der Schweiz / als Symbol für künftiges politisches Wirken "
SDA – 1. August 1994
Rütli UR. Den Weg der Schweiz sieht der Obwaldner Ständerat Niklaus Küchler
als Symbol für unser künftiges politisches Wirken. Dieser Weg führe in keine Sackgasse, er öffne sich, an der internationalen Transitachse, gleichsam europa- und weltweit nach Norden und Süden, sagte der derzeitige Ständerats-Vizepräsident. Er hielt am 1. August die Festansprache auf dem Rütli.
Er sei der festen Überzeugung, dass das Schweizer Volk und die Schweiz mit ihren politischen und
wirtschaftlichen Einrichtungen besser sei, als wir es heute immer wieder wahrhaben wollten, sagte Küchler. "Ich meine, wir dürfen nach wie vor aus Überzeugung und mit einem richtig verstandenen Patriotismus zu unserem Land stehenö " Doch wäre es vermessen, zu behaupten, unsere Land und seine Bewohner seien ohne jegliche Sorgen und Nöte.
Volk reagiert positiv
Nach Küchlers Ansicht reagiert das Volk positiv. Das Interesse an politischen Sachfragen steige, die
Stimmbeteiligung stabilisiere sich auf beachtlichem Niveau und in den meisten Fällen folge das Volk dem Bundesrat und der Parlamentsmehrheit. Wenn trotzdem von einer Vertrauenskrise die Rede sei, dann durch jene Abstimmungen, die eine Öffnung der Schweiz und eine Einbindung in internationale Beziehungen anstrebten.
Es sei der erkennbare Wille des Volkes, die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Zukunft so weit wie möglich selber zu verantworten. Die Zukunft des Landes müsse gemeinsam mit dem Volk gestaltet werden. Es sei müssig darüber nachzudenken, die Volksrechte und die Rechte der einzelnen Stände einzuschränken, sagte der Obwaldner Ständerat. "Sie gehören zum Grundbestand unserer demokratischen Errungenschaften."
Mit dem Volk regieren
Mit dem Volk zu regieren, heisse, das Volk rechtzeitig in die Meinungsbildung einzubeziehen und ihm dazu genügend Zeit einzuräumen, meinte der Redner. Die Politiker müssten wieder vermehrt die Sprache sprechen, die das Volk verstehe. "Nicht politischer Aktivismus ist gefragt, sondern Konzentration aufs Wesentliche."
Zu lösen seien in Zukunft eine Reihe enscheidender Fragen. Küchler zählt dazu Drogen-, Asyl- und Umweltprobleme, die Überalterung, das Verhältnis zwischen Stadt und Land, zwischen Berg- und Talgebieten, ebenso jenes zwischen Männern und Frauen sowie das Verhältnis zur Welt.
Das Rütli sei Ausgangspunkt zum Weg der Schweiz, sagte der Redner abschliessend. Dieser Weg führe nie in eine Sackgasse. Er öffne sich, an der internationalen Transitachse, gleichsam europa- und weltweit. "So stelle ich mir auch den künftigen Weg vor, den wir für unser Land und all seine Bewohner gestalten wollen." Offene Wege, auf denen sich nicht nur die Stärksten durchsetzten, und die auch jenen zugänglich seien, die uns bloss ein Stück weit begleiten möchten.