1. August-Feiern - Rütli / Regenschauer und Jazz statt Schweizerpsalm und Fahnenschwingen
SDA – 1. August 2008
Rütli UR. Die Bundesfeier auf dem Rütli ist nach rund einer halben Stunde wegen starken
Regens abgebrochen worden. Das Absingen der Landeshymne fiel ins Wasser.
500 Personen hatten sich am Freitagnachmittag auf dem Rütli zur Bundesfeier versammelt. Als die Feier um 14.20 Uhr begann, setzte ein sanfter Regen ein, der immer heftiger wurde und um 15 Uhr zum Abbruch des Anlasses zwang - zum ersten Mal seit Jahren.
Bescheidener Rahmen
Die Präsidentin der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), die frühere Bundeskanzlerin
Annemarie Huber-Hotz, zog trotz des Regens eine positive Bilanz. Im Gegensatz zum Vorjahr wurde die Bundesfeier wieder in kleinerem Rahmen gehalten.
Im 2007 hatten die damaligen höchsten Schweizerinnen, Bundesrätin Micheline Calmy-Rey und Nationalrätin Christine Egerszegi, 2000 Personen aufs Rütli gelockt. Dieses Jahr wurde wieder auf einen prominenten Festredner verzichtet.
In seiner Ansprache, die der Regen noch zugelassen hatte, bezeichntete der Urner Sicherheitsdirektor Josef Dittli das Rütli als symbolischen Geburtsort der Schweiz. Der 1. August sei ein Tag des Dankes an all diejenigen, die sich in der Vergangenheit für die Schweiz eingesetzt hätten.
Auch Huber-Hotz betonte den symbolischen Wert des Rütlis. Es sei ein Symbol von Freiheit und Solidarität und biete Gelegenheit, losgelöst vom politischen Alltag über die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft nachzudenken.
Jazzige Klänge
Auch wenn die Feier wieder im traditionell-bescheidenerem Rahmen gehalten wurde, so fehlte der moderne Aspekt nicht. Die Musiker Pierre Favre, Robert Morgenthaler und Jean-Jacques Pedretti boten mit Schlagzeug, Posaune und Alphorn jazzige Klänge.
Der Rest der Feier - das Fahnenschwingen, der Kinderchor, das Verlesen des Bundesbriefes und das Singen der Nationalhymne - fiel buchstäblich ins Wasser. MeteoSchweiz unterhält auf dem Rütli zwar keine Wettermessstation. Radarmessungen zeigten aber, dass in dem Gebiet bis zum Abbruch der Feier bis zu 30 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen seien, sagte ein Sprecher auf Anfrage.
Bewährtes Ticket-Regime
Eine Besonderheit der diesjährigen Feier war, dass Vertreter von rund einem Dutzend ausländischer Botschaften aufs Rütli gekommen waren. Zutritt aufs Rütli hatte nur, wer im Vorfeld bei der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG) ein Ticket bestellt und mit einem Extraschiff oder zu Fuss anreiste.
Dank diesem Regime konnten die Rechtsextremen erneut ferngehalten werden. Nach Angaben der Urner Kantonspolizei kam es zu keinen Vorfällen. Einzig 17 Rechtsextreme, die von Seelisberg aus auf Rütli wollten, mussten von der Polizei weggewiesen werden.
Auf der andern Seeseite, in Ingenbohl und Brunnen, traten ebenfalls vereinzelte Rechtsextreme auf. Insgesamt seien neun Personen, die der rechten Sezene zugeordnet würden, weggewiesen worden, teilte die Schwyzer Kantonspolizei mit.
Die Bundesfeier war in den letzten Jahren immer wieder von Rechtsradikalen gestört worden. 2005 wurde Bundesrat Samuel Schmied von den Skinheads niedergeschrien. Im 2007 explodierte trotz rigoroser Sicherheitskontrollen ein Sprenkörper.