Dr. Georg Hess, Finanzdirektor und Landammann des Kantons Schwyz
Was gefällt Ihnen besonders an der Schweiz?
Die Kleinheit und die Vielfalt.
Was stört Sie in der Schweiz?
Dass es immer mehr Kräfte gibt, welche unseren Schlüssel zum Erfolg - den Kompromiss – verhöhnen.
Was bedeutet das Rütli für Sie?
Eine wunderschöne Wiese am Urnersee mit symbolischer Ausstrahlungskraft.
Was ist für Sie typisch schweizerisch?
Das unermüdliche Streben nach Qualität.
Schillers Tell jubilierte. Grosse Bühnen umrahmten den sonst so malerischen Ort. Platzeinweiser zeigten den richtigen Weg auf der historischen Wiese der Freiheit. Mit Schiffen kamen Heerscharen angefahren, alle mit Regenschirmen bewaffnet, in den Uniformen des abendländischen Lebensstils, bunt, vielfältig, bisweilen unpassend vor allem in Verbindung mit der Wetterprognose. Bizarr ragten die überdimensionierten hölzernen Dreibeine in die Abenddämmerung. Das Spiel begann. Auf der historischen Wiese startete der erste Akt, so wie es im Programm stand, so wie alle es in der Schule gelernt hatten, so wie es eben sein musste. Nur einer hielt sich nicht an die Regieanweisungen: Petrus. Langsam mit zunehmenden Wallungen türmten sich Wolken von Luzern herkommend am Fronalpstock auf und trafen auf erbitterten Widerstand schwarzer, schon eine Weile ortsfest verharrender Wolkentürme im Urnerland. Aufkommender Westwind erzeugte über dem Talkessel Schwyz eine eigentliche Wetterküche. Fallwinde aus dem Muotatal trugen das Ihre zur aufkommenden Turbulenz bei. Vom Sattel her näherten sich die letzten bisegetriebenen Gewitterwolken, die sich schon einige Stunden erfolgreich gegen das letzte Zucken des Föhns gewehrt hatten. Der Luzernerwind wurde immer stärker und brachte die ganze Urschweiz in zunehmende Wallung.
In allen Schattierungen des möglichen Graus tanzten und türmten sich Wolkenberge in urtümlichsten Formen. Kaum glaubte man, ein Gesicht in den Wolken zu erkennen, war es schon wieder ein Wildtier oder eine Alpenlandschaft. Alles bewegte sich, wie von unsichtbarer Hand getrieben. Gerade zu dem Zeitpunkt, als die drei Eidgenossen die drei berühmten Finger zum Schwur erhoben, krachte der erste Blitz mit Donnergetöse in den Urnersee. Das Publikum verfärbte sich in wenigen Sekunden in die einheitliche Farbe der abgegebenen Regenmäntel. Nur einer blieb erstarrt und tief betroffen sitzen, sozusagen als schwarzes Schaf in der Menge. Ich hatte in diesen Sekunden verstanden, was uns alle zusammenhält. Denn es geschah auf dem Rütli.