Albert Auf der Maur, Gemeindepräsident von Ingenbohl-Brunnen
Was gefällt Ihnen besonders an der Schweiz?
Die gelebte politische Kultur, die als stete Herausforderung einer multikulturellen Gesellschaft wirkt.
Was stört Sie in der Schweiz?
Das fehlende Engagement vieler Mitbürgerinnen und Mitbürger, diesen Staat gezielt weiter zu entwickeln und notwendige Reformen aktiv anzugehen.
Was bedeutet das Rütli für Sie?
Das Rütli ist für mich der Inbegriff von Freiheit und Heimat.
Was ist für Sie typisch schweizerisch?
Bescheidenheit ist wohl etwas typisch Schweizerisches.
Das Rütli verbindet uns Schweizerinnen und Schweizer, aber sicherlich auch unsere Gäste aus nah und fern noch immer mit der Geschichte unseres Landes, mit dessen Entstehung und Entwicklung über nun siebenhundert Jahren. Das Rütli symbolisiert auch vieles: Freiheit, Sicherheit, Selbstbestimmung und Tradition. Diese Werte bleiben, was sich hingegen verändert, ist unser Leben, unsere Gesellschaft und die neuen Horizonte, die wir anstreben müssen. Und hier gilt als Schlüssel zum Erfolg, dass man sich auf das Wesentliche konzentrieren muss.
Die Volksrechte des Referendums und der Initiative können als die herausragenden Besonderheiten der schweizerischen Demokratie angesehen werden. Die Volksrechte erfüllen uns Schweizerinnen und Schweizer zu Recht mit Stolz auf unsere Demokratie. Diese Rechte verlangen aber von uns Bürgerinnen und Bürgern auch eine überaus aktive Rolle im politischen Leben. Wir werden nicht zur Urne geführt, sondern müssen bewusst aktiv sein. Man hat sich zu informieren, muss sich eine Meinung bilden und diese letztlich auch kundtun. Nur mit gelebten Volksrechten wird unsere Demokratie ihren Stellenwert bewahren können.
Der Föderalismus mit der starken Autonomie der Gemeinden und Kantone ist auch heute noch ein zentrales Element unseres politischen Systems. Bürgerinnen und Bürger wollen sich nicht bloss mit der Schweiz identifizieren. Sie wollen dies vorab auch mit ihrem Kanton und ihrer Gemeinde tun. Der Föderalismus steht aber in der Zeit des grossen Wandels vor besonderen Herausforderungen. Tradition muss sich gerade hier mit Fortschritt paaren. Die erforderliche ganzheitliche Betrachtung des Prozesslösungsprozesses darf nicht aus den Augen verloren werden. Nur so werden die guten Elemente des Föderalismus, wie der Erhalt der kulturellen Besonderheiten, die Moderne überleben.
Politische Konfliktlösung durch Verhandeln und pragmatischer Kompromiss gelten als typisch schweizerische Tugend, die uns zu dem gemacht hat, was wir sind und worauf wir stolz sein dürfen. Konflikte mit Stil austragen war und ist die Basis für eine erfolgreiche Zukunft der Schweiz. Nur wenn jeder den anderen und dessen Meinung achtet, ist es möglich, zu Lösungen zu kommen, die uns letztlich alle weiterbringen in dieser Gesellschaft. Dies wird auch eine Bedingung sein, dass auch künftig Bürgerinnen und Bürger für ein aktives Engagement zu gewinnen sind. Für die Weiterentwicklung unseres Staates ist dies sogar absolut unabdingbar. Die Zukunftsperspektive einer langfristigen Garantie der sozialen Sicherheit und Wohlfahrt hängt vom Willen zur Solidarität zwischen Jungen und Alten, zwischen Armen und Reichen und zwischen Gesunden und Kranken ab.
Die Schweiz entsteht immer wieder – nicht nur auf dem Rütli!